Storytelling: Mit Geschichten Lust auf Zukunft machen

Menschen inspirieren und bewegen uns – nicht Fakten.

In Geschichten erzählen wir uns, wie Menschen Herausforderungen begegnen und Hindernisse überwinden. Ihre Beispiele ermutigen dazu, uns selbst einzubringen. Sie können unsere Zuversicht stärken und Lust darauf machen, die Zukunft mitzugestalten.

Warum sind Geschichten so wirkungsvoll?

Weil wir die Welt durch Geschichten kennenlernen. Wir wachsen mit Märchen und Fabeln, Sagen und Legenden auf. Seit Menschengedenken werden Geschichten genutzt, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Erlebnisse und die Erkenntnisse daraus zu teilen.

Die neuere Hirnforschung belegt: Storytelling ist gehirngerechte Kommunikation. Geschichten aktivieren mehrere Bereiche im Gehirn, so dass wir uns in Geschichten verpackte Informationen besser merken. Sie fördern die Bildung des sogenannten Kuschelhormons Oxytocin, das uns angenehme Gefühle stärker wahrnehmen lässt.

So ist die Kraft der Geschichten eigentlich eine Kraft der Emotionen.

Geschichten, die die Welt verändern

Emotional packende Geschichten können unsere Werte prägen und sogar die Welt verändern. Onkel Toms Hütte, 1852 in den USA erschienen, war einer der meistverkauften Romane des 19. Jahrhunderts und lieferte das erzählerische Gerüst für den Kampf gegen die Sklaverei. Das erkannte auch Abraham Lincoln, der die Autorin Harriet Beecher Stowe während des Bürgerkriegs traf. Der damalige US-Präsident soll sie mit den Worten begrüßt haben: „Sie sind also die kleine Dame, die diesen großen Krieg ausgelöst hat.“

Was macht einen guten Storyteller aus? Mimik, Gestik und Spontanität spielen eine wichtige Rolle, fanden Workshop-Teilnehmer:innen.
Was macht einen guten Storyteller aus? Mimik, Gestik und Spontanität spielen eine wichtige Rolle, fanden Workshop-Teilnehmer:innen.
Arbeit, Bildung und Forschung e.V., Foto: E. Söderman


Storytelling-Workshops

Meine Storytelling-Workshops beginne ich gerne mit der Sprech-Denk-Übung, bei der jede:r Teilnehmer:in einen oder zwei Bausteine zu einer sich spontan entfaltenden Geschichte beiträgt. Damit betreten wir gemeinsam einen kreativen Raum der Möglichkeiten und öffnen uns für überraschende Wendungen und Chancen. Und die Übung macht Spaß!

Formate

  • Vorträge und Keynotes, online und in Präsenz
  • Workshops ab einer Dauer von 2 Stunden bis zu dreitägigen Workshops, online und in Präsenz im DACH-Raum

Inhalte und Übungen (je nach Absprache und Länge des Workshops)

  • Gemeinsame Analyse von Beispielen: Was macht eine gute Story aus?
  • Kernelemente von Geschichten und der Aufbau eines dramaturgischen Bogens
  • Was macht gute Geschichtenerzähler:innen aus?
  • Dos & Dont’s
  • Rollenspiele, bei denen neue Perspektiven ausprobiert werden
  • Die eigene Geschichte erzählen
  • Verschiedene Modelle wie die Heldenreise, die Drei-Akt-Struktur, das MISLA-Modell oder das ABT-Muster (And – But – Therefore)
    (in längeren Workshops)
  • Tipps und Übungen zur Sprache
  • last, but not least: die Entwicklung eines Storyboards für ein eigenes Thema oder ein Gruppen-Thema
5 Bausteine für ein Storyboard

Die 5 Bausteine für ein Storyboard

  1. Ein guter Anfang, der neugierig macht und eine emotionale Verbindung schafft
  2. Eine Hauptfigur, zu der Leser:innen und Zuhörer:innen eine Beziehung aufbauen und mit der sie sich identifizieren können. Wichtig ist, dass wir mit der Hauptfigur fühlen und sie begleiten wollen.
  3. Herausforderungen und Konflikte treiben die Geschichte voran und erzeugen Spannung. Welche Krisen und Hindernisse muss die Figur überwinden? Wer oder was steht ihr im Weg? Wie will sie den Konflikt lösen und wer unterstützt sie dabei?
  4. Ein Höhepunkt, der die Wende bringt: Die Handlung wird auf eine dramatische Spitze getrieben, bis eine überraschende Wendung eintritt. Positive Entwicklungen sorgen für Klärung und wirken befreiend.
  5. Ein guter Schluss enthält eine wichtige Botschaft und wirkt wie ein Paukenschlag. Er steht für die Veränderung, die durch die Konfliktlösung ermöglicht wird, und für den Beginn von etwas Neuem.
    In was für eine Zukunft führt uns die Geschichte?

Hier kann die nächste Geschichte ansetzen.

Narrative und Gegennarrative: Welche Inhalte vermitteln wir?

Geschichten sind (in der Regel) in Narrative eingebettet.

Narrative sind Deutungs- und Erzählmuster, die komplexen Zusammenhängen Sinn und Struktur verleihen. Sie bieten einen größeren Rahmen, in den sich Argumente, Fakten und einzelne Geschichten einordnen.

Sie sind sozusagen die Geschichte der Geschichten.

Gängige Narrative werden oft gar nicht bewusst wahrgenommen, selbst wenn wir sie durch eigene Geschichten bestätigen, manchmal auch widerlegen.

Ein etabliertes Narrativ handelt vom Homo oeconomicus, also vom rationalen Menschen, der vor allem seinen Nutzen und Gewinn maximieren will. Dabei ist unser Denken und Handeln nicht so rational wie in der Wirtschaftstheorie angenommen. Menschen sind emotionale und soziale Wesen, die keineswegs nur auf den eigenen Gewinn fixiert sind. Wir kooperieren gerne. Das hat uns evolutionär stark gemacht.

Ein weiteres mächtiges Narrativ – das vom steten Wirtschaftswachstum – besagt, dass wir uns Klimaschutz und den Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft nicht leisten können, angesichts einer stagnierenden Wirtschaft und multiplen Krisen.

In längeren Workshops üben wir, solchen Erzählungen mit Gegennarrativen (von denen es viele gibt) und inspirierenden Geschichten entgegenzutreten.

Geschichten vom Weg in eine andere Zukunft

Die Teilnehmer:innen nehmen sich die Freiheit, Narrative mit Phantasie und Entschlossenheit zu verändern. Sie verwandeln sich in Zukunftskünstler und erweitern ihren Blick:

Wofür machen wir uns auf den Weg, worauf können wir uns freuen? Wie kommen wir dorthin? Wie verläuft die Reise?

Veränderung ist möglich. Die Zukunft und die Wege dorthin können wir uns vorstellen. Wenn wir anfangen, anders zu fühlen, zu denken – und zu erzählen.

Meine Storytelling-Erfahrungen

Storytelling zieht sich als roter Faden durch meinen beruflichen Weg. Als Fernsehjournalistin habe ich in Bildern gedacht und eine erzählerische Struktur entwickelt, bevor ich zum Drehen aufgebrochen bin. Dafür habe ich Menschen gesucht, die Geschichten transportieren. Für mein Feature über Lobbyisten in Brüssel etwa habe ich mehrere Interessenvertreter:innen begleitet und gezeigt, wer seine Macht ausspielen konnte und wer zumeist den Kürzeren zog.

Am Jüdischen Museum Berlin wünschten sich anfangs viele Besucher:innen, dass der beeindruckende Bau von Daniel Libeskind leer bleibt. Unser Anliegen im Museum hingegen war es, Geschichten von jüdischen Deutschen aus Vergangenheit und Gegenwart zu erzählen. Mit Storytelling haben wir diesen Raum über zwei Jahre gefüllt, bis das Museum mit der Dauerausstellung eröffnete.

Beim NABU hat das Kommunikations-Team den Kampagnen-Claim ‚Die Naturschutzmacher‘ lebendig gemacht, indem wir viele ehren- und hauptamtliche Naturschutzmacher:innen porträtiert und ihre Herausforderungen und Erfolge geschildert haben.

Als Lehrbeauftragte habe ich seit 2014 Storytelling-Workshops gegeben (an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Business Trends Academy). Daran knüpfe ich als freiberufliche Kommunikations-Trainerin an, mit mehr Methoden im Köcher.

Einen großen Wunsch habe ich mir mit dem Verfassen eines Climate Fiction-Romans für Kinder ab 9 Jahren erfüllt, den ich im Rahmen eines Prosa- und Kinderbuch-Fernstudiums an der Textmanufaktur geschrieben habe. Noch suche ich einen Verlag für „Ruf der Regenbogenvögel“. Tipps sind willkommen!

Die bunt leuchtenden Bienenfresser-Vögel spielen eine wichtige Rolle in meinem Kinderroman.
In meinem Kinderroman ‚Ruf der Regenbogenvögel‘ entdeckt die zwölfjährige Marleene bunt leuchtende Bienenfresser in der Uckermark. Seit die Sommer immer heißer werden, ziehen die Vögel zum Brüten sogar bis nach Nordeuropa.
© Sat123, CC BY 3.0

Was Workshop-Teilnehmer:innen sagen