Klimakommunikation, die zum Handeln motiviert

Klimakommunikation umfasst vielfältige Themen, Fragen und Ziele, wie die Workshop-Pinnwand zeigt.
Klimafakten, Foto: L. Grosse

1. Lasst euch auf euer Gegenüber / eure Zielgruppe ein und versucht, sie zu verstehen

Klimakommunikation orientiert sich immer an der Zielgruppe.

Sie ist umso wirksamer, je mehr ihr über die Zielgruppe herausfindet und wisst.

Welche Sorgen treiben sie um? Welche Überzeugungen und Werte sind ihnen wichtig? Wo gibt es Anknüpfungspunkte für Klimaschutz? Welche Vorteile könnt ihr benennen, die für sie relevant sind? Welche Vorbehalte haben sie und wie könnt ihr diesen begegnen?

Wenn ihr diese Fragen beantworten könnt, seid ihr gut auf eure Zielgruppe eingestellt.

2. Beachtet Emotionen, denn sie bewegen uns stärker als Fakten

Nehmt eure (Klima-)Gefühle wahr, ebenso wie die des Gegenübers oder der Gruppe. Macht euch bewusst, welche Emotionen eure Botschaften auslösen.

Befördert besonders angenehme Emotionen – wie Freude, Neugierde, Stolz und Zuversicht – und verbindet aktionsförderliche Gefühle – wie Wut und Sorge – mit Handlungsoptionen.

Klima-Gefühlsrad
Mithilfe des Klima-Gefühlsrads können wir das Spektrum unserer Klimagefühle genauer wahrnehmen. Es basiert auf der Forschung von Panu Pihkala von der Universität Helsinki. Das Climate Mental Health Network, USA, stellt es für die Klimabildung bereit.

3. Legt Wert auf Werte

Werte bestimmen unser Handeln noch mehr als Emotionen, denn sie sind beständiger.

Eine werteorientierte Klimakommunikation knüpft an vorhandene Werte und Vorstellungen an und sucht nach Gemeinsamkeiten.

Bei Menschen, für die Selbstbestimmung ein wichtiger Wert ist, könnt ihr zum Beispiel betonen, dass Klimaschutz eine bewusste Entscheidung ist, und die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten als Ziel hervorheben.

4. Holt euch Unterstützung von passenden Botschafter:innen und Bündnispartnern

Gute Kommunikation braucht eine gute Beziehungsebene und glaubwürdige Fürsprecher:innen. Wenn ihr selbst keinen guten Draht zur Zielgruppe habt, könnt ihr euch Unterstützung aus dem Umfeld der Zielgruppe holen oder eine Kooperation mit einem Partner eingehen, der stabile Verbindungen hat.

Ein gutes Beispiel ist die Klimawissenschaftlerin Katherine Hayhoe, die Tochter eines Pfarrers und selbst tiefreligiös ist. In den USA ist sie eine wichtige Brückenbauerin zu christlichen Konservativen.

5. Betont die Chancen und positiven Effekte

Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen bieten so viele Chancen! Sie haben zahlreiche positive soziale, wirtschaftliche, ökologische und politische Nebeneffekte (sogenannte Co-Benefits). Es lohnt sich, diese hervorzuheben und den Nutzen für den Einzelnen und die Gesellschaft aufzuzeigen.

Die wirtschaftlichen Vorteile könnt ihr gegenüber Entscheidungsträger:innen aus Politik und Wirtschaft betonen: Energieunabhängigkeit, Innovationen und neue Technologien, hochqualifizierte Arbeitsplätze, eine zukunfts- und wettbewerbsfähige Wirtschaft, eine höhere regionale Wertschöpfung u.v.m..

Für Bürger:innen spielen der Hitze- und Gesundheitsschutz eine herausragende Rolle. Auch der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und attraktive, grüne Innenstädte, wie in Paris, werden positiv bewertet.

6. Storytelling: Erzählt Geschichten, die Vorbilder zeigen und Lust auf Zukunft machen.

Die Welt ist voller Lösungen, die an zahlreichen Orten längst umgesetzt werden. Statt überwiegend auf das zu schauen, was (noch) nicht geht, hilft es, den Blick auf das zu richten, was unzählige Menschen bereits anschieben und wo Strukturen so verändert wurden, dass sie klimafreundliches Verhalten befördern. Diese Lösungen sollten wir sichtbarer und bekannter machen!

Erzählt Geschichten von Menschen, die Hindernisse überwunden haben und uns inspirieren. Geschichten, die Lust darauf machen, selbst aktiv und Teil der Lösung zu werden.

7. Erzähle deine Geschichte

Deine persönliche Geschichte ist ein mächtiges Kommunikationsmittel. Damit sprichst du Gefühle an und kannst Menschen motivieren.

Erzähle von dem Moment, als du entschieden hast, dich für Klimaschutz einzusetzen. Warum war das wichtig für dich?
Wie bringst du dich heute ein und wie fühlst du dich dabei?
Was bestärkt dich in deinem Engagement?

Lade auch Andere zum Erzählen ein. Mit persönlichen Geschichten holt ihr die Klimakrise in den Alltag.

8. Kommt gemeinsam ins Handeln!

Mit das Wichtigste, was ein einzelner Mensch derzeit für Klimaschutz tun kann, ist, gemeinsam mit anderen aktiv zu werden.

Sucht euch Verbündete! Gemeinschaftserlebnisse stärken uns. Aktivitäten mit der Gruppe können uns stolz machen und wohltuende Gefühle von Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit erzeugen, die uns motivieren, dranzubleiben. Und beim Klimaschutz brauchen wir einen langen Atem.

Ich bin Mitglied im Netzwerk Klima kommunizieren, das mich stützt und stärkt. Meine Trainer-Kolleg:innen inspirieren mich und der Austausch und die Zusammenarbeit mit ihnen stimmen mich zuversichtlich.

Gemeinsam können wir die Klimawende schaffen.

Workshop-Teilnehmende an der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg
Übers Klima sprechen: Seminar mit Klimaschutzmanager:innen in Kommunen und Mitarbeitenden in Energieagenturen an der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg. Konstanze Stein, Klimaschutz-Referentin der Akademie (kniend, 4.v.l.), und mein Co-Trainer Mathias Hamann (kniend, 1.v.l.) sind auch im Bild. Foto: Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg

Klimakommunikations-Workshops

In den Workshops befassen wir uns mit vielfältigen Themen:

  • Grundlagen der Klimakommunikation
  • Zielgruppen und Ziele
  • Emotionen, Werte und Normen
  • Framing, Narrative und Storytelling
  • Hoffnung und Resilienz
  • Umgang mit Widerständen und Desinformation
  • Strategische Kommunikation und Kommunikationskonzepte
  • Einsatz von Bildern

Formate

  • Vorträge und Keynotes, online und in Präsenz
  • Interaktive Workshops ab einer Dauer von 1 Stunde bis zu drei- tägigen Workshops, online und in Präsenz (im DACH-Raum)

Die Themen richten sich nach euren Bedürfnissen und Wünschen und werden vorab besprochen. Zu den Themen gibt es Impulse, Übungen (als Einzel- und Gruppenarbeiten) und Raum für Fragen und Austausch.

Wenn vorhanden, werden eure eigenen Klima- und Kommunikations-Projekte bearbeitet.

Meine Klimakommunikations-Erfahrungen

Der Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ (2006) erzählt die Geschichte von Al Gore, ehemaliger US-Vizepräsident, der sich unermüdlich und weltweit für Klimaschutz einsetzt. Der Film hat mich sehr bewegt, so dass ich vor über 15 Jahren von der Kultur- in die Klima- und Wissenschaftskommunikation gewechselt bin.

Moorschutz = Klimaschutz: Im Vorfeld des Kopenhagener Weltklimagipfels 2009 leitete ich als Kommunikationsleiterin des NABU-Bundesverbandes eine Aktion mit einer ‚Moorjungfrau‘ vor dem Bundeskanzleramt. Unsere Pressearbeit und Online-Kommunikation erzielte ein gutes Medienecho und beim Pressestellentest der Fachzeitschrift PR-Magazin zum Kopenhagener Gipfel landete der NABU auf dem ersten Platz!

Später war ich mehrere Jahre in der Wissenschaftskommunikation tätig: Als Pressereferentin des Deutschen Klima-Konsortiums, dem Dachverband der führenden Akteure der deutschen Klimaforschung, und der Deutschen Allianz Meeresforschung, sowie als Kommunikationsleiterin des Instituts für Nachhaltigkeitsforschung.

Durch die enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen habe ich viel über den aktuellen Stand der Klima-, Meeres- und Nachhaltigkeitsforschung gelernt und verstehe die Dringlichkeit einer effektiven Klima- und Energiepolitik noch besser. 

Parallel zur Wissenschaftskommunikation habe ich mich seit 2018 ehrenamtlich engagiert und in Berlin an einem Climate Reality Leadership Corps Training mit Al Gore himself teilgenommen. Im Anschluss haben wir Klimawachen vor dem Brandenburger Tor abgehalten. Zeitgleich setzte sich Greta Thunberg freitags vor das Parlament in Stockholm und die Fridays for Future-Bewegung entstand, so dass wir uns den großen Klimastreiks anschlossen.

2024 habe ich eine Multiplikator:innen-Schulung für Klimakommunikation bei Klimafakten abgeschlossen und bin Mitglied in ihrem Trainer:innen-Netzwerk Klima kommunizieren geworden. Dort tauschen wir uns über Methoden, aktuelle Entwicklungen und neue Lehrmaterialien und Veranstaltungen aus.

Was Workshop-Teilnehmer:innen sagen